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Dieses Jahr stand die Klasse F3A-X im Zeichen des Wandels. So gab es nicht nur neue Flugprogramme, auch steht die Kunstflugklasse seit dieser Saison unter der Schirmherrschaft des DMFV und präsentiert sich fortan als neues Sportreferat.

Wie auch in den vergangenen Jahren erklärten sich diese Saison Vereine bereit, die vier F3A-X-Wettbewerbe zur Ermittlung des Deutschen Meisters durchzuführen. Austragungsorte waren der MFC Dillingen, der MFV Harsewinkel, der JMSV Nennslingen sowie der LSC Erfurt, der den Abschlusswettbewerb stellte. Auf allen vier Wettbewerben war das Wetter ähnlich. So machten zum Beispiel extreme Wetterlagen – starker Wind, viel Regen und hohe Luftfeuchtigkeit – das Fliegen schwieriger und anspruchsvoller. Insgesamt sind alle Wettbewerbe reibungslos verlaufen und konnten zumeist mit vollen Durchgängen beendet werden, was unter den beschriebenen Umständen nicht immer einfach war.

Was gibt’s Neues

Dieses Jahr hatte es in sich, was die Anzahl der Neuerungen betrifft. So ist natürlich die Aufnahme der Kunstflugklasse F3A-X in den DMFV zu nennen, sodass diese Saison mit der vollen Unterstützung des Verbands durchgeführt werden konnte. Ebenso gab es einige weitere kunstflugspezifische Neuerungen. Für alle drei Klassen wurden neue Programme mit nochmals erhöhtem Schwierigkeitsgrad entwickelt. Es zeigt sich hier vor allem der Ehrgeiz, den A-Piloten die Möglichkeit zu geben, auf internationalem Niveau mitzufliegen. So werden in der A-Klasse zwei Durchgänge bekanntes Programm und zwei Durchgänge unbekanntes Programm geflogen, was mittlerweile internationaler Standard ist.

Bild_02-300x167Die B-Klasse fliegt eine vereinfachte Version des A-Programms, welche jedoch ebenfalls anspruchsvoll und fordernd ist. Hier soll zugleich das Ziel nicht aus den Augen verloren gehen, den B-Piloten den Aufstieg in die A-Klasse zu ermöglichen, aber gleichzeitig ein fliegbares Programm zu bieten. Dazu gehört auch eine freiwillige Unbekannte für die B-Piloten anzubieten, was bis jetzt immer angenommen wurde, denn hier kann jeder zeigen, was er abseits vom trainierten Programm im Repertoire hat. Die Einsteigerklasse C benutzt ebenfalls ein einfaches Wendefigurenprogramm, um den Einsteigern die Möglichkeit zu geben, sich direkt an die moderne Form des Kunstflugs zu gewöhnen und das Einhalten der Kunstflugbox zu trainieren.

Als letzte große Veränderung ist das veränderte Bewertungssystem zu nennen. So wurden zuerst die bisher üblichen K-Faktoren (Schwierigkeitsfaktor einer Figur) von 1 bis 5 gegen die offiziellen Schwierigkeitskoeffizienten des CIVA-Katalogs der FAI (Fédération Aéronautique Internationale) ausgetauscht. In diesem Katalog sind die Figurenfamilien, das heißt Familie der Rollfiguren, der Loopings und so weiter, abgebildet und mit Koeffizienten ausgestattet. Wenn man nun eine Figurenkombination des X-Programms mit einem K-Faktor belegen will, muss man sich des Katalogs bedienen, die verschiedenen Figurengruppen kombinieren und die Koeffizienten addieren. Am Ende entsteht natürlich ein höherer K-Faktor, als es vorher der Fall war, jedoch ist die Schwierigkeitsbewertung objektiver und genauer geworden.Nun gilt es beispielsweise für den Punktrichter, die vorgeflogene Figur zu bewerten. Dies geschieht mit dem üblichen Punkte-Repertoire von 0 bis 10. Dieses Jahr werden die Punkte jedoch nochmals in 0,5er-Schritte unterteilt, um eine noch exaktere Bewertung zu ermöglichen.

Alles beim Alten

Allgemein ist zu sagen, dass mit dem Wegfall der 10-Kilogramm-Grenze vorletztes Jahr keine revolutionäre Veränderung stattgefunden hat. Aber ein Trend ist sichtbar: So werden zumeist Modelle mit einer Spannweite von 2.600 Millimeter und einem großvolumigen Boxermotor der 100- bis 110-Kubikzentimeter-Klasse, was die Hubraumgrenze in F3A-X darstellt, geflogen. Aber auch die Modelle der alten Generation sind noch konkurrenzfähig, was vor allem Ingo Müller mit seiner 2.500 Millimeter spannenden Extra 300S beweist, die von einem 100er-ZDZ-Motor angetrieben wird und 9,8 Kilogramm Trockengewicht hat. Müller bewegt dieses Modell fantastisch durch das sehr kraftfordernde A-Programm.

Bild_031Noch in der Minderheit befinden sich Elektroantriebe. Im F3A-X gibt es zurzeit sieben Piloten, die auf die Kraft eines elektrischen Antriebs setzen, jedoch hat sich gerade in diesem Jahr gezeigt, dass es hier auch Grenzen gibt. So konnte mehrfach beobachtet werden, wie gerade bei viel Wind ein sauberes, kraftvolles Fliegen schwierig war und sogar bei einigen eine Akku-Entladung von über 90 Prozent abgelesen werden konnte. De facto ist der E-Antrieb im F3A-X nur bei Modellen bis 2.500 Millimeter Spannweite effektiv einsetzbar. Dies liegt vor allem an der Beschränkung der Akkus auf zwölf Zellen, aber auch an den eingangs beschriebenen, widrigen Windverhältnissen.

Vorbildlich

Die eingesetzten X-Modelle sind meist Nachbauten der bekannten manntragenden Typen der Extra 300S, welche das Feld immer noch dominiert, der Yak 54 und 55, der MX-2, der Edge/Raven und der Tucano. Der international beobachtete Trend, die Yak 55 M einzusetzen, ist auch ganz leicht auf die X-Szene übergesprungen, so wurden diese Saison drei Krill-Yaks eingesetzt – eine mit Elektro-, die anderen mit Verbrennungsmotor.

Trotz des großen Angebots von ARF-Holz-Kunstflugmaschinen sind diese im F3A-X nur selten anzutreffen, da hier insbesondere Maschinen mit absoluter Stärke im klassischen Kunstflug gefordert werden und die meisten ARF-Holzmodelle auf den 3D-Kunstflug ausgelegt sind. Ebenfalls ist hier das Thema Geräuschemission zu berücksichtigen. So neigen die bekannten ARF-Holzmodelle zum Dröhnen und Klappern. Klassisch gebaute Styro-Balsa-Flügel sowie GFK-Rümpfe sind da deutlich gedämpfter und somit leiser. Dieses Thema ist im F3A-X sehr wichtig, schließlich sind die Punktwerter sehr kritisch bei ihrer Geräuschbewertung und bestrafen mit Punktabzug, beziehungsweise loben eine entsprechend laute oder leise Antriebskombination. Dies hat zur Folge, dass man bei einem F3A-X-Teilwettbewerb kein besonders lautes Modell finden wird. Bei den Piloten sind längst Dreiblatt-Propeller sowie Dämmmatten und Schwingungsdämpfer Standard.

Spannung

Wer wird Deutscher Meister dieses Jahr? Diese Frage konnte bis zum letzten Wettbewerb in keiner Klasse beantwortet werden, innerhalb der Podiumsplätze gab es sowohl im A- als auch im B-Bereich einen harten Kampf und die Spannung erhöhte sich von Wettbewerb zu Wettbewerb. In der C-Klasse gab es leider nur wenige Piloten, die regelmäßig teilnahmen, und so konnte sich Jochen Bilgeri vor Florian Binder setzen. Beide nahmen zweimal an der Jahresrunde teil. Dritter wurde Alfredo Schulz, der einen Teilwettbewerb mitflog und dort den ersten Platz gemacht hatte.

In der B-Klasse stellte sich schon zu Anfang der Saison heraus, dass das Vater-Sohn-Gespann um Thomas und Alexander Raff ganz oben mitmischen würde, was auch der Fall war. Beide zeigten sehr konstante und vor allem fast identische Flüge. Hier zeigt sich, dass das gemeinsame, intensive Training einen großen Erfolg bringen kann. So siegte der Sohn Alexander vor seinem Vater Thomas in der Jahreswertung, beide steigen nächstes Jahr in die A-Klasse auf. Wer Dritter werden sollte, stand bis zuletzt nicht fest. Am Ende war es dann Markus Ziegler, der mit 0,03 Prozent ganz knapp vor Jochen Strubel siegte.

Bild_04-300x200In der A-Klasse war es nicht minder spannend. Der amtierende Deutsche Meister Robert Forster hatte dieses Jahr zu kämpfen, so musste er sich besonders der Konkurrenz von Marco Stephan und Jan Rottmann erwehren. Schließlich reichte es aber doch noch für Robert und so siegte er vor Marco Stephan und Jan Rottmann. Dicht dahinter folgten Ingo Müller und Stefan Buch, die beide ihre große Erfahrung, gerade bei widrigen Verhältnissen, einzusetzen wussten und so konstante Flüge zeigten. Besonders die nächsten Platzierungen sind bemerkenswert, so haben wir es hier mit zwei Aufsteigern, nämlich Marius Achilles und William Kiehl zu tun, die wirklich gute Flüge ablieferten und auf eine nochmalige Leistungssteigerung für nächstes Jahr hoffen lassen. Marius konnte so auch den Pokal für den besten Newcomer im A-Programm holen.

Was bringt die Zukunft?

Abschließend müssen im Namen aller Teilnehmer ein paar Worte des Danks an die ausrichtenden Vereine sowie alle Helfer und Punktrichter ausgesprochen werden. Dank der Unterstützung des DMFV wird die Klasse F3A-X auch in Zukunft so ausgetragen werden können, wie es bei dieser Veranstaltung der Fall war. Ein großes Dankeschön geht auch an Stefan Buch, der nicht nur als Sportreferent eine gewaltige Aufgabe bewältigt, sondern auch mit viel Herz bei der Sache ist und immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Piloten hat. Ebenso gilt ein Dank dem Foto-Team Andreas und William Kiehl.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass diese Saison wirklich Spaß gemacht hat. Für nächstes Jahr stehen wieder viele Neuerungen wie zum Beispiel Programmupdates und neue Austragungsorte an. Man darf also schon gespannt sein, was die Teilnehmer nächstes Jahr erwartet. Gemäß der alten Weisheit „Nichts ist so beständig wie der Wandel“ ist es der F3A-X-Gemeinde wichtig, nicht nur neue Programme und Rahmenausschreibungen zu veröffentlichen, sondern auch neue Gesichter kennen zu lernen.

Alexander von den Benken

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